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Dein Kommen war wie das Aufgehen der Sonne
über dem Meer
funkelnd, glitzernd
majestätisch
und doch immer wieder
überraschend
mit Unsicherheit
was dieser Tag
uns bringen mag
bis die Sonne wieder
untergeht.

Dein Gehen
war leise
sanft
schmerzhaft
wie der Sonnenuntergang
am Ende eines langen
Tages
der für Dich
und noch viel mehr für uns
doch viel
viel
viel
zu kurz
gewesen ist.

Du bist gegangen
als die Sonne unterging
hast Dich tragen lassen
von ihren Strahlen
hinüber
dahin wo Du jetzt
auch immer sein magst.

Doch wir werden nie vergessen
wie warm
wie hell
wie strahlend
Du gewesen bist
und wir es durch Dich
mit Dir

Und für immer für Dich.

dünenhörnum1

Es war Donnerstag, der 06. November 2008. Ich befand mich rein rechnerisch in der 21. Woche, um genau zu sein bei 20+1, zumindest wenn man nach dem Datum ging, das in meinem Mutterpass stand. Ich persönlich hatte den Entbindungstermin immer um 2-3 Tage weiter nach vorne berechnet und vom Wachstum des Bauches her schien er mir sogar noch weiter vorne zu liegen als in meinen eigenen Berechnungen - heute wissen wir, dass der Entbindungstermin unter Umständen fast zwei Wochen zu weit hinten gelegen haben könnte.

 Ich hatte meinen Frauenarzt darauf aufmerksam gemacht, denn der errechnete Termin war direkt beim ersten Ultraschall in der fünften/sechsten Woche bestimmt worden und hätte sicher noch nach vorne korrigiert werden sollen.

Man hatte mir jedoch gesagt, einige Tage mehr oder weniger wären völlig bedeutungslos. Ich hatte nicht geahnt, wie viel Bedeutung auch nur ein einziger Tag für uns haben sollte.

Colin fiel nie als “zu groß” auf, bewegte sich aber immer recht deutlich im oberen Drittel der Normwerte. Die These, dass die Empfängnis schlichtweg 1-2 Wochen früher hätte sein können als angenommen und mein Kind eben vom (äußeren) Wachstum her einfach im Mittelfeld oder im unteren Drittel liegen könnte, kam niemals seitens des Fachpersonals auf. Also stellte auch ich sie nicht in Frage.

Die letzten Wochen der Schwangerschaft waren für mich wesentlich entspannender und schöner gewesen als die ersten. Ich glaube nicht, dass ich in meinem Leben schon einmal derart glücklich und zufrieden gewesen bin wie in diesen letzten zwei oder drei Wochen meiner Schwangerschaft. Die ersten Wochen waren einem Alptraum gleich gekommen, ich hatte ununterbrochen unter massiver Übelkeit gelitten, mich dementsprechend oft übergeben und ab der 9./10.SSW noch eine Gastritis bekommen.

In dieser Zeit ging gar nichts außer im Bett zu liegen. Und damit meine ich auch gar nichts - ich konnte vor Übelkeit nicht lesen, nicht fernsehen, nicht einmal Radio hören. An manchen Tagen schaffte ich es nicht einmal aufzustehen, um zu duschen oder gar mir etwas zu essen zuzubereiten. Ich war praktisch zum Pflegefall geworden. Ab der 14. SSW ging es mir dann endlich besser.

Seit diesem Montag - den 03.11.2008 - hatte mein Mann Urlaub, wir hatten viel unternommen. Es tat mir gut, mal wieder ordentlich herauszukommen, einfach etwas anderes zu sehen als meine vier Wände.

Unser Sohn Colin strampelte in diesen Tagen so heftig im Bauch wie noch nie zuvor. Auch tagsüber spürte ich ihn, sogar wenn ich mich selbst bewegte. Am Montag konnte ihn sogar mein Mann durch die Bauchdecke spüren - und das in der 21. Woche!

Wir waren in diesen Tagen viel unterwegs gewesen, gerade einen Tag zuvor hatten wir das Kinderzimmer gekauft.

An diesem Tag wuselte ich viel im Haushalt herum. Die ersten Stunden nach dem Aufstehen waren für mich immer abgehakt, da ich in dieser Zeit starke Kreislaufprobleme hatte und mich meist nach dem Frühstück einfach noch einmal eine halbe Stunde oder Stunde hinlegen musste, um standfest zu bleiben.

Mein Bauch war schon ordentlich nach vorne gewölbt und ich liebte es, ihn zu streicheln, einzucremen und vor allem, enge Sachen anzuziehen. Schon früher hatte ich immer gesagt: wenn ich mal schwanger bin, will ich das aller Welt zeigen - und so empfand ich das jetzt noch viel mehr als jemals vorgestellt.

An diesem Donnerstag war mein Mann den ganzen Tag damit beschäftigt, unsere Gefriertruhe abzutauen und zu reparieren. Ich backte derweil zwei Kuchen, denn wir würden noch anderthalb Wochen frei haben und aßen, wenn wir gemeinsam zu Haus waren, nachmittags ganz gerne mal ein Stückchen Kuchen.

Als ich fertig war, fuhren wir in den Baumarkt und suchten nach Tapeten fürs Kinderzimmer. Wir entschieden uns für eine hellgelbe Farbe mit einer Winnie Pooh Borde. Ich hatte die Rollen schon in der Hand, legte sie aber wieder zurück - es war ja noch so viel Zeit, und das Zimmer würde ohnehin erst im Februar eingerichtet. Der einzige Grund, dass wir um diese Zeit schon so viel besorgen wollten, war einfach der, dass dies der letzte wirkliche Urlaub meines Mannes vor dem Entbindungstermin sein würde... den Weihnachtsurlaub mal nicht eingerechnet, aber in die überfüllten Weihnachtsgeschäfte wollte ich auch nicht gerade gehen in meinem Zustand und mit meinem Bauch, der in gut anderthalb Monaten sicher noch um vieles dicker sein und mich nicht gerade “leichtfüssiger” lassen werden würde.

Nachdem wir im Baumarkt alles erledigt hatten, gingen wir noch einkaufen. Zu hause angekommen räumte ich auf, putzte ein wenig, räumte die Helloweendeko weg und kochte. Danach war ich völlig am Ende und mein ganzer Po, mein Rücken und meine Oberschenkel zogen. Ich dachte mir nichts dabei, ich hatte das seit Wochen - ich war in diesem Bereich schon vor der Schwangerschaft empfindlich gewesen.

Ich zog mich nach dem Essen frisch an, wir schauten noch ein wenig fern und gegen halb elf war ich so müde, dass ich ins Bett wollte.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass in diesem Moment meine letzten glücklichen Minuten vergangen waren.

Im Bad bemerkte ich eine etwas ungewöhnlich große Ansammlung von Schleim in meiner Slipeinlage. Sie war klar, unspektakulär... und doch machte mich das nervös. Ich stellte fest, dass ganz winzige, kaum sichtbare Spuren alten Bluts am Klopapier klebten. Heute weiß ich, dass dies der abgelöste Schleimpfropf gewesen war...

Um mich zu beruhigen, machte ich einen pH-Test.... der wurde knallblau. Nun war ich wirklich beunruhigt. Ich kannte mich nicht gut dem pH-Wert aus, kannte aber derart schlechte Ergebnisse nur von einem Blasensprung. Aufgeregt rief ich schließlich trotz der späten Stunde meine Hebamme an - die mich beruhigte, es höre sich nicht nach Blasensprung an, ich solle eine Nacht drüber schlafen, am nächsten Tag komme sie eh vorbei und würde mal Herztöne kontrollieren.

Mich beruhigte das nur bedingt. Was war der Grund für den schlechte pH-Wert? Da ich mich damit nicht auskannte und meine Hebamme so ruhig gewesen war, entschieden wir, fürs erste nicht in ein Krankenhaus zu fahren.

Dafür stand ich folgenden Morgen nach einer nervösen, angsterfüllten Nacht mit wenig Schlaf ganz früh auf und kontrollierte das Testergebnis... unverändert. Ich zählte die Stunden bis es acht Uhr war und ich beim Frauenarzt anrufen konnte. Die Sprechstundenhilfe hörte sich an, was ich ihr schilderte und vertröstete mich auf zwölf Uhr am Mittag. Da sie so ruhig klang, dachte ich, solche Ergebnisse kämen sehr oft vor und seien wohl doch eher harmlos. Wir gingen wieder ins Bett, um noch ein wenig Schlaf zu finden, dösten ein oder zwei Stunden und standen dann wieder auf.

Als ich zum zweiten Mal an diesem Morgen auf die Toilette musste, bemerkte ich plötzlich einen Druck gegen den Muttermund - nun verfiel ich wirklich in helle Panik, zumal nun auch frisches Blut aus der Scheide kam. Ich wusste genau: da war irgendetwas ganz und gar nicht in Ordnung!

Völlig aufgelöst und konfus entschieden wir, nicht direkt zum Krankenhaus sondern zum Frauenarzt zu fahren... die Hoffnung, es sei etwas relativ “harmloses” konnten und wollten wir immer noch nicht ganz aufgeben.

Wir warteten beim Frauenarzt etwa zehn Minuten, dann kamen wir endlich dran. Er schaute nach und wurde blass und murmelte etwas von “oh mein Gott”... und ich hatte das Gefühl, die Welt gehe unter.

Es stellte sich heraus, dass sich der Muttermund fast komplett geöffnet hatte und die Fruchtblase schon leicht herausblitze. Er schickte mich sofort ins Klinikum mit angebundender Frühchenstation und erklärte, man würde mir dort noch heute den Muttermund verschließen. Als Grund für das Aufgehen des Muttermundes nannte er eine vermutliche Bindegewebsschwäche.

Ich fragte, ob ich denn nicht mit einem Krankenwagen fahren sollte - er verneinte. Ich glaube, ich habe mehrmals gefragt - er verneinte mehrmals. Es mache keinen Unterschied, ob wir selbst mit dem Auto den Weg zurücklegten oder nicht. Ich war derart durcheinander und verwirrt, und natürlich auch kaum in der Lage, die Ernsthaftigkeit der Situation selbst einzuschätzen, also ließ ich es nach zwei- oder dreifachem Nachfragen gut sein. Als ich dann jedoch vor der Praxistüre stand und die zwei Stockwerke mit gut fünfzig Stufen ohne Aufzug vor mir lagen, wurde mir doch mulmig. Doch was sollten wir tun? Uns streikend in den Flur setzen und selbst einen Rettungswagen rufen? Also tappste ich sie so vorsichtig wie es die Situation zu ließ hinunter. Dann fuhren wir so schnell wie möglich in das etwa 30km entfernte Klinikum - wir waren fast eine Dreiviertelstunde unterwegs.

Im Klinikum angekommen konnte niemand verstehen, wieso ich sitzend hergebracht worden war. Mehrmals sahen sich Ärzte und Hebammen entsetzt und kopfschüttelnd an und erklärten mir, dass ich liegend im Rettungswagen hätte hergebracht werden müssen. Kaum hatte ich meine Situation geschildert, durfte ich mich nicht mehr bewegen. Selbst zur Untersuchung durfte ich nicht mehr laufen sondern wurde vorsorglich im Rollstuhl geschoben. Und doch half das nichts mehr: Es war inzwischen zu einem recht massiven Fruchtblasenprolaps gekommen, was bedeutete, dass die Fruchtblase sich mehrere Zentimeter in die Scheide gestülpt hatte.

Die Ärzte sagten uns bedauernd, dass die Chancen sehr schlecht ständen. Der Grund für diesen Prolaps und das Aufgehen des Muttermundes sei eine Infektion, die man sofort mit Antibiotika behandeln würde. Aufgrund dieser und der so weit herausgetretenen Blase sei noch nicht an einen Verschluss zu denken.

Es war Freitag und man wollte frühestens am Montag operieren. Ob diese Manöver gelingen, ob ich so lange durchhalten würde, das stand in den Sternen. Doch so lange war erst einmal strikte Bettruhe mit Blasenkatheter und hochgelagertem Becken angesagt. Man hängte mich an Partusisten - einem Wehenhemmer- von dem ich sehr schnell Herzrasen bekam. Ich hatte zwar noch keine Wehen, aber man wollte sie offenbar vorsorglich verhindern.

Gegen Abend verschlimmerten sich die Nebenwirkungen des Mittels, aber nun war kein Arzt mehr da, um zu kontrollieren und nachzuschauen. Wir wurden auf ein Familienzimmer auf der Gyn gebracht und harrten der Dinge. Es war kaum an Schlafen zu denken, auch weil es mir zusehends schlechter ging. Gegen zehn Uhr erbrach ich das wenige Essen, das ich zu mir genommen hatte. Ich sagte den Schwestern mehrmals Bescheid und betonte, wie gefährlich das Erbrechen in meiner Situation doch war - schließlich krampfte der ganze Körper mit und die Fruchtblase rutschte sicher noch weiter heraus. Doch man gab mir nur ein Zäpfchen (von dem ich heute weiß, dass es wehentreibend war) gegen die Übelkeit und ließ mich wieder alleine. Das Zäpfchen brachte nichts außer unsagbaren Schmerzen und Krämpfen (erst heute weiß ich, dass es die ersten Wehen waren), die Übelkeit wurde nicht weniger.

Kurz nach halb drei waren die Nebenwirkungen so schlimm, dass ich dachte, ich sterbe jeden Moment. Das Herzrasen war kaum noch auszuhalten, ich dachte, ich ersticke, ich schwitzte und fühlte mich als hätte ich hohes Fieber und mein ganzer Körper tat weh, von oben bis unten. Die Übelkeit wurde immer schlimmer.

Um 2:40 erbrach ich mich erneut - und meine Fruchtblase platzte ganz wie ich es befürchtet hatte durch das starke Würgen. Innerhalb weniger Sekunden war alles voller Blut und Wasser - ich, mein Mann, das Bett, der Boden um es herum. Mein Mann, der die ganze Zeit bei mir geblieben war, schrie und hämmerte auf den Notfallknopf ein, doch es schienen Stunden zu vergehen, bis die Schwestern endlich aufgeregt ins Zimmer gerannt kamen.

Es waren Minuten, in denen die Welt stillstand.

Ich habe nur noch geschrien, geschrien, geschrien, weil ich wusste, dass in diesem Moment alles vorbei war und ich wusste, dass unser Leben niemals, niemals wieder so sein könnte wie es bisher gewesen war. Mein Sohn war dem Tod geweiht, und ich konnte nichts mehr tun, um ihn zu retten... wie soll man so etwas nur akzeptieren?

Doch wir mussten. Das Schicksal hatte seinen Weg gewählt und wir mussten ihm folgen.

Nach zwei weiteren Stunden und nachdem man mich gewaschen und umgebettet hatte, stellten wir in Absprache mit der Ärztin den Wehenhemmer ab. Es gab keine Chance mehr für Colin, denn trotz der Tokolyse hatte ich inzwischen leichte Wehen, vertrug das Mittel nach wie vor nicht - und die Infektion war nun zu ihm vorgedrungen und schadete ihm von Minute zu Minute mehr. Auch meine Entzündungswerte stiegen an.

Wir warteten den ganzen Samstag auf die Geburt unseres Sohnes, aber meine Wehen verebbten wieder und ironischerweise schloss sich auch der Muttermund wieder bis auf einen Zentimeter....

Am Sonntag entschieden wir trotzdem, die Geburt mittels eines Zäpfchens einzuleiten. Die Überlebenschancen für unseren Colin waren trotz des nun wieder verschlossenen Muttermundes kleiner als 1%. Ich war (offiziell) erst in der 21. Woche und man hätte ihn mindestens noch 10-14 Tage in meinem Bauch lassen müssen.

Es war zu vermuten, dass die Infektion ihn bis dahin töten würde. Selbst wenn das nicht geschehen sollte, so wäre er durch das fast völlig fehlende Fruchtwasser körperlich schwerst behindert, da die Gliedmaßen von Tag zu Tag mehr versteiften.

Es war auch nicht klar, ob ich so lange “durchhalten” würde, denn auch meine Entzündungswerte stiegen weiterhin an.

Für uns war es klar, dass wir das unserem Sohn nicht antun wollten. Er gab uns ein klares Zeichen, dass er gehen wollte - und so schmerzlich es auch war, wir mussten uns dem fügen.

Nach der Gabe des Zäpfchens wurde Colin am Sonntag, den 09. November 2008 um 16:25 nach etwa drei Stunden Wehen geboren. Mein Muttermund hatte sich trotz der heftigen Wehen lange nicht mehr als 3cm geöffnet und war dann nur durch eine schmerzhafte Massage weit genug aufgegangen. Aber wenigstens hatten wir alle es recht schnell geschafft.

Colin wog etwa 410g und war 27cm lang, sein Kopfumfang betrug etwa 20cm.

Er war so perfekt... ein kleines, wundervolles, perfektes Baby wurde mir auf die Brust gelegt. Seine Haut war noch so dünn, dass er wie ein kleiner brauner Marokkaner wirkte. Er lag auf meiner Brust und wir streichelten ihn, während er seine Armchen und Beinchen bewegte und zappelte und strampelte und sogar ein ganz klein wenig schrie.

Und doch sah er so friedvoll aus, so zufrieden, so glücklich... es war der schönste und größte Moment unseres Lebens, der versöhnlichste und friedvollste, den wir je erlebt hatten.

Colin lebte noch etwa 1,5 Stunden, dann schlief er endgültig in unseren Armen ein.

An diesem Abend kamen auch noch seine Großeltern - meine Eltern - ins Krankenhaus und hielten ihn eine Weile im Arm - es war ein Kennenlernen und ein Abschied für immer zugleich.

Wir durften Colin dann am 14. November 2008 auf unserem Friedhof in einem kleinen Kindergrab beerdigen.

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Infektion den Muttermund geöffnet haben muss. Da ich samstags oder sonntags zuvor pH testete und alles okay war, muss das ganze sich verdammt schnell entwickelt haben und auch sehr, sehr schnell seine desaströse Wirkung entfaltet haben.

Man kann heute sehr sicher davon ausgehen, dass ich mir die Infektion auf der Toilette des Möbelhauses geholt habe. Welch Ironie des Schicksals...

Die Befürchtung, eine Cervixschwäche könnte die Ursache gewesen sein, gilt als sehr unwahrscheinlich, da sich der Muttermund wieder schloss, als der Druck des Fruchtwassers nicht mehr bestand. Außerdem haben die Laborergebnisse gezeigt, dass sowohl Plazenta als auch der Muttermund selbst Entzündungsherde aufwiesen. Die Schmerzen am Vorabend scheinen erste, leichte Wehen gewesen zu sein, die viele Bewegung in Zusammenhang mit der Entzündung hat den Muttermund offenbar sehr viel schneller aufgehen lassen als er das an einem “normalen” Tag getan hätte... aber ich hätte das ja so oder so nicht bemerkt. Und eine stabile Schwangerschaft hält so ein bisschen Bewegung dreimal aus!

Ob das Bindegewebe wirklich fest ist oder nicht kann man aber nicht definitiv sagen - prinzipiell zeigt das nur der Verlauf einer erneuten Schwangerschaft... die Chancen stehen aber sehr gut, wenn man eine erneute Infektion verhindert.

Der Erreger der Infektion ist ebenfalls nicht sicher. Es wurden zwar Bakterien im Abstrich gefunden, die aber aufgrund ihrer Beschaffenheit auch gut aus dem umliegenden Genitalbereich stammen könnten.

Man kann also sagen: Es kam eben einfach so, wie es wohl kommen musste. Warum genau kann uns niemand sagen.

Denn: Auch wenn der Schmerz, unseren wundervollen Sohn niemals bei uns haben zu dürfen, ihn nicht aufwachsen sehen zu dürfen und ihn selbst dann noch so furchtbar zu vermissen, wenn wir selbst einst unseren letzten Atemzug tun, so unsagbar groß und unermeßlich ist, uns manchmal in Atome zu zerreißen scheint, die hellsten Tage grau und dunkel scheinen lässt ... so sind wir doch unendlich dankbar, dass er bei uns gewesen ist.

Dankbar für alles, was er in uns bewegt und verändert hat.

Danke, Colin!

Wir danken Dir - für alles!

abend

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