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Abschied von Colin

Am 14. November 2008 wurde unser Sohn zur letzten Ruhe gebettet.

Wir sind sehr dankbar, dass es uns ermöglicht wurde, unserem Kind ein Platz zu geben, eine Verabschiedung und eine Zeremonie - ein Grab. Was eigentlich als klares Menschenrecht gilt, sogar als Pflicht, ist für viele Kinder wie Colin in Deutschland nicht möglich.

Da Colin eine Lebendgeburt war, konnte, durfte und musste er bestattet werden. Unsere Stadt hätte ihn aber auch bestattet, wenn er nicht gelebt hätte.

Doch andere Gemeinden weigern sich nach wie vor, totgeborene Kinder unter 500g zu beerdigen. Wir sind froh, dass dies bei uns nicht der Fall ist und hoffen, dass der Gesetzgeber den umstrittenen Paragraphen im Personenstandsgesetz der Menschenwürde entsprechend bald ändern wird und das Recht zu bestatten nicht an aus der Luft gegriffenen Gewichtsgrenzen festzumachen versucht.

Unserem Sohn wurde ein wundervoller, würdevoller und inniger Abschied zuteil. Nur unsere engsten Freunde und Familienmitglieder begleiteten uns auf diesem Wege, aber wir waren für jedes mitfühlende Herz dankbar.

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Colins Beerdigung

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Colins Beerdigung wurde um 11 Uhr mit den ersten drei Strophen von “Der Mond ist aufgegangen” eröffnet.

Dann folgte eine liebevolle Grabrede unserer langjährigen Bekannten Ursula (Auszüge):

 

“Abschied nehmen. Abschied nehmen von Colin. Das ist kein leichter Gang für euch als Eltern. Das ist einer, der richtig weh tut. Und zugleich ist es einer, in dem ihr nicht alleine seid. Indem ihr verbunden seid. Verbunden mit euren Kind und uns, die diesen Weg mit euch gehen.”

“Kinder wohnen im Herzen der Eltern. Eines schönen Tages ziehen sie dort wie selbstverständlich ein - mit einem Zauber, der sie umgibt und der uns Menschen nicht mehr die gleichen sein lässt wie zuvor. Plötzlich wissen wir, wie es sich anfühlt, Eltern zu sein. An ein Ausziehen aus diesem wunderschönen Gefühl ist nicht zu denken, schließlich ist man ab jetzt zusammen und genießt dieses Geschenk und die Seelenverbundheit, die darin liegt. Das Glück ist so nahe und das Ende davon liegt in weiter Ferne, nämlich an der Stelle, wo Eltern vor den Kindern sterben - und nicht umgekehrt.”

“Doch manchmal sieht man am Himmel die Sonne aufgehen und den nächtlichen Mond neben ihr nicht weichen.”

“Wie aus heiterem Himmel, Colins Tod. In einer Zeit, in seiner Zeit, die für uns Menschen noch keine Realität geworden ist. Und doch wandelte Colin den Blick auf ihn - zu seinem Blick auf das ewige Leben. Wenn man genauer hinschaut, ist es nur eines von vielen Geschenken, das Colin seinen Eltern gemacht hat. Vielleicht das schwerste, das sie tragen müssen - vielleicht aber auch das schönste - im Angesicht der großen Liebe, die sie füreinander fühlen.”

“Betrachten wir das Wesentliche, dass Colin in das Leben seiner Eltern getragen hat, folgen wir seinen Lebensspuren, dann erkennen wir: es ist nicht die Zeit, welche die Größe einer Erfahrung ausmacht- es ist die Tiefe eines Gefühls. Es ist Liebe.”

“Just in diesen schweren Stunden läuft ein Lied im Radio. Erst einmal. Dann noch einmal. Und alle hören zu. Es ist von Herbert Grönemeyer und heisst Glück”

-> Hier wurde “Glück von Herbert Grönemeyer gespielt

“Colin, der Kämpfer, habt ihr ihn liebevoll genannt. Ja, er hat geboren werden wollen. Es ist ihm wichtig gewesen, Euch dieses Geschenk seiner Ankunft und seiner unmittelbaren Fühlbarkeit zu machen. Dadurch rückt er noch näher von Körper zu Körper und Seele zu Seele. Glück und Trauer haben sich die Hand gereicht. Nicht um euch zu verletzen, aber um eich stark zu machen. Im Vertrauen auf die Liebe, die in allem verborgen liegt.”

“Lieber Colin (...), wir danken dir für deinen Mut, mit dem du hier gewesen bist. Wir danken dir für deine Kraft, mit der du dich verantwortungsvoll eingebracht hast. Dein Leben und Streben lässt die Menschen hinschauen und ehrlich sein. Danke für diese Zuverlässigkeit.”

“Möge deine Seele in der Umarmung der Ewigkeit lächeln.”

--> Hier wurde “You´ll be in my heart” von Phil Collins gespielt. Danach gingen alle gemeinsam ans Grab hinaus.

“Wir stehen an deinem Grab und nehmen Abschied. Tränen fließen mit dem Leben, das ohne dich weiter gehen wird. Du bist der Sohn von Daniela und Markus. Deine Eltern werden oft hier stehen und dein Grab wird bald älter sein, als du es geworden bist. Blumen werden darauf wachsen - ein Vergissmeinnicht ihrer Liebe. Und ab und an wird sich ein Regenbogen darüber spannen und sie dem Licht deiner Seele nahe sein lassen. Im Kreislauf des Lebens ist dieser Abschied ein Abschied auf Zeit und sie vertrauen: eines schönen Tages, da werdet ihr alle beisammen sein. Lieber Colin, du hast deinen Weg gewählt. Möge deine Liebe all die Herzen der Menschen berühren, die an dich denken.”

--> Während der Sarg in die Erde hinab gelassen wurde, spielten wir “Somewhere over the rainbow”. Dann traten wir als Eltern vor und ließen die ersten Schaufeln Erde auf den kleinen, weißen Sarg unseres Sohnes fallen. Die Menschen um uns folgten diesem Beispiel.

Es war ein grauer, nebliger Tag. Doch als Colin seine letzte Ruhe gefunden hatte, brach der Himmel auf. Er wurde blau und die Sonne hüllte den Friedhof in warmes Licht.

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Und wir wussten, dass unser Sohn im Land hinter dem Regenbogen angekommen war. Und dass es ihm gut ging.

Er wird niemals weit fort sein, so lange wir ihn nur in unseren Herzen bewahren.

 

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